Matea

 

 

Matea wurde am 16.04.1999 geboren. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 2008 ist Matea nach einer kurzen Leidenszeit friedlich eingeschlafen. Sie ist nun in einer besseren Welt!

Die Eltern erfuhren, dass ihre erstgeborene Tochter MPS VI hat, als sie etwa 1 Jahr alt war. Nach diesem Schock, der viel Kraft, Geduld, Tränen und Zeit forderte, mussten sie zuerst lernen damit umzugehen. Bis kurz vor ihrem Tod war Matea aktiv, in ihrer Schulklasse integriert und allseits beliebt.

Hier die kurze Ansprache ihrer Lehrerin beim Begräbnisgottesdienst:

Matea in unserer Klasse

Als Lehreri von de Matea isch es mir es Aliege, hüt nomol zrugg z'Iuege, wie mir d' Matea i de Schuel händ dörfe erlebe.

Ich spreche Hochdeutsch, damit die Verwandten aus Kroatien es besser verstehen können.

Ich möchte 5 Eigenschaften aufzeigen, die für Matea charakteristisch waren:

Matea - ein interessantes Kind

Um sie herum war es kurzweilig. Sie konnte mitreissend erzählen über die weite Ferienreise nach Kroatien auf dem heissen Autositz, über das Familientreffen im Schrebergarten ihres Vaters. Matea sprach auch offen und fesselnd über die Spitalaufenthalte und vermeldete haargenau, wo und wievielmal sie gestochen wurde.

Sie informierte uns über die geliebten Therapiestunden mit Martina Haslinger.

UND : sie schwärmte von der Nähkunst ihrer Grossmutter, die alle Kleider auf Mateas Körpergrösse abänderte.

Ja, Matea liebte schöne Kleider und immer wieder stibitzte sie ein bisschen vom feinen Parfum ihrer Mutter.

So interessant war sie. Und als sie am letzten Montag nicht in die Schule kam, weil sie krank war, war es richtig langweilig.

Matea - ein tapferes Kind

Der Mittwoch war über lange Zeit ein besonders schwerer Tag für Matea. Dann nämlich wurde sie von ihrer Mutter oder von ihrem Vater nach der Pause abgeholt und ins Kinderspital gefahren. Dort wurden Infusionen gesteckt. Bis die Nadel in der richtigen, kaum auffindbaren Vene war, erlitt Matea immer grösste Schmerzen.

Dies wurde uns erst richtig bewusst, als die medizinische Sendung „Gesundheits-Sprechstunde" am Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Ein Fernsehteam hatte Matea einen Tag lang in der Schule und im Spital begleitet und gefilmt. So erlebten wir die gefürchtete, schmerzhafte Szene mit. Seither hatten wir noch grössere Achtung (grösseren Respekt) vor der tapferen Matea.

Matea - ein anspruchsvolles, kritisches Kind

Anspruchsvoll im guten Sinn! Matea beanspruchte ihre Mitschüler, um zu ihrem Recht zu kommen. Sie meldete ihre Ansprüche und organisierte die Hilfe der Mitschüler oft grad selber.

Das begann bereits in der Garderobe. Die Mädchen halfen ihr in die Jacke und die Buben kümmerten sich um Schuhe und Finken.

Das hatte sich so einfach eingependelt.

Im Schulzimmer teilte Matea klar mit, neben WEM sie am liebsten sitzen wollte, WER ihr die Hausaufgaben in den Schulerthek packen sollte, WEN sie an ihrer Seite wünschte an der Schulreise und an Exkursionen. Und sie wollte nicht nur EIN Kind neben sich. Sie wollte eines rechts und eines links. So fühlte sich Matea geborgen. Diese klare Art machte es uns leicht, zu helfen.

Nie, gar nie hatte ich Sätze gehört wie „Scho wieder mueni" oder "J ha jo gescht scho möse"  Matea formulierte halt ihre Wünsche nie fordernd, sondern sie sagte es sympathisch und immer mit einem Lächeln. So erledigten die Mädchen UND auch die Buben alle Hilfeleistungen selbstverständlich und ohne Aufhebens. Es wurde einfach gemacht und es wurde GERN gemacht. (Und alle hatten dabei viel für ihr eigenes Leben gelernt. Ich war so oft stolz auf meine Klasse.)

Matea - eine gute Schülerin

Der Schulalltag war für Matea wegen der körperlichen Beschwerden schwierig. Sicher wäre auch SIE gern einmal an die Türe gegangen, wenn es klopfte. Sicher hätte auch SIE gerne einmal die Wandtafel geputzt. Aber die war hoch oben. Einigen Freundinnen schrieb sie ins Freundschaftsbuch: „Ich möchte gerne gross sein".

Das körperliche „Gross-Sein" konnte sie nicht erlangen, die innere Grösse hatte sie schon, aber sie war gross in ihren schulischen Leistungen;

im Aufsatz-Schreiben und Diktat, im logischen Denken und im Rechnen. Wettrechnen liebte sie besonders, HIER zeigte sie ihr Talent.

Die Mitschüler zeigten aber auch oft Talent: Als vorletzte Woche Matea eine neue, für sie gut bedienbare Schere bekam, jubelten und klatschten alle vor Freude.

Matea - ein fröhliches Kind

Mateas Strahlen war ein Genuss für uns alle.

Sie hat gestrahlt, wenn die Schüler ihren Wagen gestossen haben. Sie hat es genossen, wenn die Buben mit ihr in hohem Tempo durch die Gegend gerannt sind! Bei diesem Fahrtwind jauchzte ihr Herz. Und wenn sie im Vierer-Grüpplein mit Alena, Fabienne und Mirjam in der Bibliothek über Büchern sass, vergass sie alle Widerwärtigkeiten, dann war sie glücklich.

Ihr Lieblingsspiel in der Pause war „Sterneguggis". Sie beobachtete genau, sie war eine strenge „Sternguggerin". JETZT sieht sie die Sterne noch besser. Und der Himmel ist um einen Stern reicher geworden.

Matea, Dein Platz in unserem Schulzimmer bleibt leer. Du bist heim gegangen. Du hinterlässt eine grosse Lücke. Du fehlst uns, weil du uns mit deiner fröhlichen Art angesteckt hast.  Matea, wir danken dir.

Jetzt hörst du noch einmal dein Lieblingslied aus dem Singbuch. („Ich wünsche dir en guete Tag")

 

 

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Stand: 12. Februar 2009